Problem BCG-Impfung

Impfung ist in Deutschland abgeschafft

Impfung bei Tuberkulose

Die Bacille-Calmette-Guérin-Impfung (kurz: BCG) besteht aus lebenden, abgeschwächten Mykobakterien, speziell aus Mycobacterium bovis. Sie wurde in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg flächendeckend eingeführt.

Seit 1998 wird sie von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut nicht mehr empfohlen, weil sie

  • nur begrenzt Schutz bietet,
  • relativ häufig Nebenwirkungen oder Komplikationen, mitunter auch schwere, verursacht.

Da die Anzahl der Neuerkrankungen stark abgenommen hat und derzeit gering ist, wird die Impfung in Deutschland nicht mehr durchgeführt, weil das Verhältnis von Nutzen und Risiko gegen eine flächendeckende Impfung spricht.

BCG-Impfung und Tuberkulin-Hauttest

Darüber hinaus bereitet eine BCG-Impfung diagnostische Schwierigkeiten. Der Tuberkulin-Hauttest, der zur Diagnose der Tuberkulose immer noch eine breite Anwendung findet, führt bei Menschen, die früher einmal eine BCG-Impfung erhalten haben, zu einem positiven Testergebnis, auch dann, wenn der Betreffende sich gar nicht angesteckt hat. Ein positives Testergebnis könnte also für eine aktuelle Tuberkulose-Infektion sprechen oder aber nur eine frühere BCG-Impfung anzeigen. Man spricht dann von einem so genannten falsch-positiven Testergebnis. In diesen Fällen wird erst eine verhärtete Schwellung, die größer als 15 mm im Durchmesser ist, als positiv gewertet. Trotzdem bleibt die Aussagekraft des Tuberkulin-Hauttestes in diesem Falle begrenzt. Für Patienten, die eine BCG-Impfung erhalten haben, ist der Interferon-Gamma-Bluttest besser geeignet, eine Infektion nachzuweisen. Auf Grund des Testverfahrens ist ausgeschlossen, dass dieser Test positiv wird, wenn jemand eine BCG-Impfung erhalten hat.

Schutz vor schweren Erkrankungsformen bei Kleinkindern

In früheren Zeiten, als die Tuberkulose auf der einen Seite sehr weit verbreitet war und auf der anderen Seite noch keine effektiven Chemotherapeutika zur Verfügung standen, war das mit der BCG-Impfung verbundene Risiko für Nebenwirkungen geringer als der Nutzen. Insbesondere bei Kindern konnte die Anzahl an Erkrankungen mit schweren Verläufen wie eine tuberkulöse Hirnhautentzündung oder eine Miliartuberkulose, die bei Kindern häufiger vorkommen als bei Erwachsenen, verringert werden. Da solche Erkrankungsbilder hierzulande aber äußerst selten geworden sind und recht häufig Impfkomplikationen auftreten, ist eine Impfung in Deutschland und anderen Staaten mit relativ wenigen Tuberkulose-Neuerkrankungen nicht mehr vorgesehen.

Hinzu kommt, dass die Impfung ältere Kinder nur noch wenig vor einer Infektion beziehungsweise Erkrankung schützt, Erwachsene fast gar nicht.

BCG-Impfung in anderen Ländern

In tropischen und subtropischen Regionen wirkt eine BCG-Impfung fast gar nicht. Vermutlich liegt das daran, dass die Menschen dort aufgrund geringerer Hygiene mit anderen dort weitverbreiteten Mykobakterien-Arten in engem Kontakt sind und eine Immunität gegen diese aufbauen, so dass die abgeschwächten Erreger im Impfstoff sofort vom Körper vernichtet werden, noch bevor sie eine Immunität gegen Tuberkulose-Bakterien hinterlassen haben. Die BCG-Impfung bringt hier keinen wesentlichen zusätzlichen Vorteil.

In anderen Ländern mit hoher Tuberkulose-Erkrankungsrate wird die BCG-Impfung großflächig und noch mit gutem Erfolg eingesetzt.

Blick in die Zukunft

Wissenschaftler arbeiten seit einiger Zeit an einer verbesserten BCG-Impfung beziehungsweise an völlig neuen Impfstoffen mit besserer Schutzwirkung bei niedriger Komplikationsrate. Sollte das gelingen, wird eine flächendeckende Tuberkulose-Schutzimpfung vielleicht in Zukunft wieder sinnvoll sein.

 

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