Verhinderung des Krankheitsausbruchs

Es gibt zwei vorbeugende Strategien, basierend auf unterschiedlichen Voraussetzungen, die verhindern sollen, dass eine Tuberkulose-Erkrankung ausbricht:

  • die Chemoprophylaxe und
  • die präventive Chemotherapie.

Chemoprophylaxe der Tuberkulose

Die Chemoprohylaxe wird bei Personen durchgeführt, die vor kurzem Kontakt mit einem Tuberkulosekranken hatten. Die Chemoprophylaxe erfolgt mit Medikamenten, die den Wirkstoff Isoniazid enthalten. Durch die Prophylaxe mit Isoniazid kann verhindert werden, dass

Die Prophylaxe war dann erfolgreich, wenn der Tuberkulin-Hauttest oder Interferon-Gamma-Bluttest etwa 6 bis 8 Wochen nach dem Kontakt mit dem an Tuberkulose-Erkrankten negativ ist. In diesem Fall kann man davon ausgehen, dass keine Infektion erfolgt ist. Doch auch in diesem Falle wird die prophylaktische Behandlung für weitere etwa 16 Wochen fortgesetzt. Insgesamt dauert die Prophylaxe etwa 6 Monate. Wenn der Tuberkulin-Hauttest oder Interferon-Gamma-Bluttest jedoch nach 6 bis 8 Wochen der Chemoprophylaxe ein positives Testergebnis zeigt, dann hat sich die Person infiziert. In diesen Fällen gilt es den Ausbruch einer aktiven Erkrankung zu verhindern, in dem man auf eine präventive Chemotherapie umstellt.

Präventive Chemotherapie der Tuberkulose

Die präventive Chemotherapie wird bei Infizierten ohne manifeste Tuberkulose-Erkrankung (= latente tuberkulöse Infektion, kurz: LTBI) durchgeführt. Das sind solche Personen, bei denen der Tuberkulin-Hauttest oder Interferon-Gamma-Bluttest positiv ausfällt, ohne dass eine aktive Erkrankung diagnostiziert werden kann. Ziel der präventiven Chemotherapie ist es, diese schlummernden Mykobakterien zu bekämpfen und den Ausbruch einer aktiven Erkrankung zu verhindern. Im Prinzip handelt es sich bei der präventiven Chemotherapie um eine verlängerte Chemoprophylaxe. Wie bei der Prophylaxe werden Medikament mit dem Wirkstoff Isoniazid eingesetzt, jedoch über einen längeren Zeitraum. Empfohlen werden 9 bis 12 Monate. Im Gegensatz zur Chemoprophylaxe werden unter bestimmten Umständen auch zusätzliche Untersuchungen durchgeführt, um sicherzustellen, dass die präventive Therapie wirkt und sich keine manifeste Erkrankung entwickelt. Wenn der Zeitpunkt der Ansteckung zum Beispiel erst vor kurzem war, wird nach etwa 10 bis 12 Wochen eine Röntgenuntersuchung der Lunge stattfinden. Wenn die präventive Chemotherapie nicht wirkt, dann würde es etwa 10 bis 12 Wochen dauern, bis man in der Lunge erste Anzeichen für eine aktive Tuberkuloseerkrankung sehen würde.

Eine präventive Chemotherapie in Form ausgewählter antituberkulöser Antibiotika erhalten mit Tuberkulose-Bakterien Infizierte, wenn sie ein erhöhtes Risiko haben, dass bei ihnen eine Tuberkulose-Erkrankung ausbricht, zum Beispiel

  • wenn die Infektion weniger als 2 Jahre zurückliegt, weil in diesem Zeitraum die Gefahr, dass die Tuberkulose ausbricht, besonders hoch ist
  • Menschen mit eingeschränkter Funktion ihres Immunsystems – egal, ob diese Funktionseinschränkung durch eine Krankheit oder durch therapeutsche Maßnahmen verursacht wird – wie zum Beispiel HIV-Infizierte oder Rheumapatienten, wenn diese auf Grund ihrer Erkrankung mit bestimmten Medikamenten behandelt werden müssen, die das Immunsystem schwächen
  • Darüber hinaus gibt es weitere Patientengruppen, die ein erhöhtes Risiko haben, an Tuberkulose zu erkranken. Dies sind zum Beispiel Drogenabhängige, Patienten mit Silikose (Staublunge), Diabetiker oder Dialysepatienten. In manchen Ländern wie zum Beispiel den USA wird empfohlen, unter bestimmten Bedingungen auch bei diesen Patientengruppen eine präventive Chemotherapie in Erwägung zu ziehen.