Aktive Suche nach möglichen Tuberkulose-Fällen

Suche nach Personen, die mit Betroffenen Kontakt hatten

Risikogruppen von Tuberkulose erkennen

Wenn eine offene, das heißt ansteckende Tuberkulose diagnostiziert worden ist, dann sind Ärzte und Gesundheitsämter angehalten, aktiv nach weiteren Erkrankungsfällen oder nach Personen zu suchen, die sich angesteckt haben könnten. Man bezeichnet dies als Umgebungsuntersuchung.

Aktive Suche im Umfeld von Erkrankten

Die Umgebungsuntersuchung erstreckt sich auf Personen, die in einem engeren Kontakt zum Erkrankten gestanden haben, da bei diesen das Risiko einer Ansteckung besonders groß ist: Familie, Bekannte, Freunde, Arbeitskollegen, Mitbewohner in Altenheimen oder in Wohngemeinschaften – alle, die in letzter Zeit engen Kontakt zum Erkrankten hatten werden untersucht, ob sie ebenfalls erkrankt sind oder ob sie sich angesteckt haben, so dass die Erkrankung demnächst ausbrechen könnte.

Besondere Vorsicht ist bei Kindern im Umfeld von infektiösen Tuberkulose-Kranken geboten. Bei diesen ist das Immunsystem häufig noch nicht so gut ausgebildet. Deshalb ist bei Kindern das Risiko besonders hoch, dass sie sich anstecken und die Krankheit tatsächlich ausbricht. Häufig kann die Krankheit dann einen fulminanten und schweren Verlauf nehmen, bei dem sie sich schnell im gesamten Körper ausbreitet und nicht auf die Lunge begrenzt bleibt. Deshalb wird bei Kindern eine Chemoprophylaxe oder Chemoprävention durchgeführt: Sie erhalten für eine gewisse Zeit (3 bis 9 Monate lang) ein Medikament mit dem Wirkstoff Isoniazid, das auch zur Therapie der aktiven Tuberkulose eingesetzt wird. Während dieser Zeit wird das Kind regelmäßig in bestimmten Zeiträumen untersucht. Anhand dieser Ergebnisse entscheidet sich, wie lange die Prophylaxe beziehungsweise Prävention durchgeführt wird. 

Auch erwachsene Kontaktpersonen erhalten eine Chemoprophylaxe oder präventive Chemotherapie mit einem Medikament, das den Wirkstoff Isoniazid enthält.

Aktive Suche in Tuberkulose-Risikogruppen

Gezielt werden auch Bevölkerungsgruppen mit erhöhtem Tuberkulose-Risiko wie zum Beispiel Obdachlose, Alkoholabhängige oder Drogenabhängige, HIV-Infizierte, Gefängnisinsassen sowie Asylbewerber, Kriegsflüchtlinge und Aussiedler beziehungweise Umsiedler aus Ländern mit hoher Tuberkuloserate auf eine Tuberkulose-Infektion hin untersucht.

Patienten, die wegen einer rheumatischen Erkrankung mit bestimmten Medikamenten behandelt werden, die das Immunsystem schwächen, werden untersucht, ob sie eine latente Infektion haben. Wenn dies der Fall ist, dann erhalten diese Patienten zunächst eine präventive Chemotherapie, bevor die Therapie mit dem Rheumamedikament durchgeführt wird. Damit soll verhindert werden, dass die Schwächung des Immunsystems durch dieses Rheumamedikament dazu führt, dass sich aus der latenten Infektion eine aktive Tuberkulose entwickelt.

 

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