Postprimäre Lungentuberkulose

Symptome, Verlauf und Komplikationen

Die postprimäre Tuberkulose kann viele Jahre bis Jahrzehnte nach der Erstinfektion aus den „schlummernden“ Bakterien hervorgehen. Man bezeichnet diesen Vorgang als Reaktivierung, weshalb die Postprimäre Tuberkulose auch als Reaktivierungs-Tuberkulose bezeichnet wird.

Schwaches Immunsystem

Die postprimäre Tuberkulose bricht in der Regel dann aus, wenn das Immunsystem geschwächt ist, zum Beispiel:

  • bei alten Menschen
  • durch Alkoholmissbrauch oder Drogenkonsum
  • durch chronische, das Immunsystem schwächende Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes mellitus
  • durch eine HIV-Infektion
  • bei Erkrankungen, die Medikamente erfordern, die das Immunsystem unterdrücken (zum Beispiel Cortisonpräparate, bestimmte Rheumamedikamente).

Symptome der unbehandelten postprimären Lungentuberkulose

Das Erscheinungsbild der wiederaufflackernden Lungentuberkulose kann von milden Krankheitsverläufen mit nur geringen röntgenologisch sichtbaren Veränderungen oder von schweren Verläufen mit großflächigen Zerstörungen des Lungengewebes geprägt sein. Entsprechend variieren die Symptome.

Allgemeinsymptome der postprimären Lungentuberkulose können sein:

  • schlechtes Allgemeinbefinden
  • mäßiges Fieber, vor allem in den Nachmittagsstunden
  • Nachtschweiß
  • Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, körperliche Schwäche

Respiratorische Symptome, also Symptome, die durch die Beeinträchtigung der Lungenfunktion hervorgerufen werden, können sein:

  • Husten
  • Auswurf
  • Hämoptyse: Aushusten von blutigem Sekret oder auch sogenannter Bluthusten, bei dem größere Mengen oder reines Blut ausgehustet werden (Hämoptoe).
  • Heiserkeit, wenn der Kehlkopf in das Krankheitsgeschehen einbezogen ist
  • Schmerzen im Brustkorb
  • Atemnot

Verlauf der unbehandelten postprimären Lungentuberkulose

Ja nach Abwehrlage kann die Infektion:

Frühe Komplikationen der postprimären Lungentuberkulose

Frühe Komplikationen einer postprimären Lungentuberkulose können sein:

  • schwere Atemstörungen, die gegebenenfalls auf einer Intensivstation behandelt werden müssen
  • Hämoptoe: Aushusten lebensbedrohlicher Blutmengen
  • Lungenentzündung in Lungenabschnitten, die durch den Lungenherd oder Lymphknotenvergrößerungen von der Beatmung abgekoppelt und deshalb nicht ausreichend belüftet sind
  • bakterielle Superinfektion, die sich auf die Tuberkulose „aufpfropft“
  • Pneumothorax: Luft gelangt von der Lunge in das Brustfell und hindert die Lunge, sich zum Atmen auszudehnen mit der Folge schwerer bis lebensbedrohlicher Atemnot
  • Pleuraempyem: Ansammlung von Eiter innerhalb des Brustfells

Mögliche Spätfolgen der postprimären Lungentuberkulose

Auch wenn die Tuberkulose ausgeheilt ist, können – bei schwerem Verlauf der Lungentuberkulose und Komplikationen – Spätfolgen auftreten wie zum Beispiel:

  • Bronchiektasen: dauerhafte Aussackung von Bronchien mit Ansammlung von Schleim, der idealer Nährboden für Bakterien und Pilze ist.
  • Pleuraschwarte: Durch entzündliche Prozesse verhärtet das Brustfell und wird zu einem unbeweglichen Panzer, so dass Atembewegungen und damit die Atmung stark eingeschränkt sind.
  • Aspergillom: Schimmelpilzbefall von Kavernen-Resthöhlen oder Bronchiektasen
  • Lungengewebszerstörungen mit dauerhafter Beeinträchtigung der Atmung und Rechtsherzbelastung (Cor pulmonale)
  • Bronchialkarzinom auf dem Boden einer narbigen Abheilung von Tuberkuloseherden (sogenanntes Narbenkarzinom).

Bei konsequenter Antibiotikatherapie sind schwere Verläufe, Komplikationen und Spätfolgen selten geworden.