Primäre Lungentuberkulose

TBC-Erreger in der Lunge

Nach Einatmung erregerhaltiger Luft bildet sich zunächst ein kleiner Infektionsherd in der Lunge, meistens in den mittleren oder unteren Lungenfeldern. Die Bakterien werden von verschiedenen körpereigenen Immunabwehrzellen „umzingelt“ und bekämpft.

Entstehung eines Tuberkuloms

So entsteht ein Granulom (knötchenähnliches Gebilde) und schließlich ein Tuberkulom, ein abgekapselter Tuberkuloseherd mit noch lebenden Erregern im Inneren. Über Lymphbahnen können die Bakterien auch in die benachbarten Lymphknoten gelangen. Auch hier versuchen dann Abwehrzellen, die Bakterien abzuriegeln, damit sie nicht weiter in den Körper vordringen.

Häufigkeit der primären Lungentuberkulose

Lungenherd und infizierte Lymphknoten bilden zusammen den tuberkulösen Primärkomplex. Die Phase der Primärkomplex-Bildung dauert etwa 6 Wochen. In 90 % der Fälle schafft es der Körper, die Tuberkulosebakterien zu bekämpfen oder so abzukapseln, dass die Erkrankung nach Ausbildung eines Granuloms oder Tuberkuloms eingedämmt ist. Lungenherd und Entzündungsherde in den Lymphknoten bilden sich allmählich zurück und hinterlassen eventuell eine verkalkte Narbe, die auch Jahre später im Röntgenbild erkennbar sein kann und im Nachhinein aufdeckt, dass früher einmal eine Tuberkuloseinfektion stattgefunden hat.

Abgekapselte Bakterien können allerdings im Körper im „Schlummerzustand“ überleben und viele Jahre später zur postprimären Tuberkulose führen. Beschwerden haben die Betroffenen in diesem Stadium kaum oder gar nicht. Wenn Appetitlosigkeit, Unwohlsein, Husten, nächtliches Schwitzen oder leichtes Fieber auftreten, dann wird hinter diesen unspezifischen Symptomen von den Betroffenen eher ein grippaler Infekt vermutet. Etwa 6 bis 8 Wochen nach Eindringen der Tuberkelbakterien ist die Tuberkuloseinfektion mittels Tuberkulintest nachweisbar. Im Röntgenbild sind der Lungenherd sowie die Vergrößerung der betroffenen Lymphknoten zu erkennen.

Primäre Lungentuberkulose: Mögliche Komplikationen

Bei etwa 10 % der Fälle entwickelt sich gleich im Anschluss an die Erstinfektion oder innerhalb von 2 Jahren danach eine progressive Primärtuberkulose, also eine manifeste Tuberkuloseerkrankung mit ausgeprägten Symptomen wie:

  • schlechtes Allgemeinbefinden
  • mäßiges Fieber, vor allem in den Nachmittagsstunden
  • Nachtschweiß
  • Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, körperliche Schwäche
  • Husten, Heiserkeit bei Kehlkopfbeteiligung, Atemnot
  • Auswurf (eventuell auch blutig)

Wenn es dem Körper nicht gelingt, die Erkrankung in Schach zu halten, kann es zur weiteren Ausbreitung und damit zu Komplikationen kommen:

Lokale Ausbreitung der Tuberkulose

Bildung einer Kaverne

Der Lungenherd kann sich vergrößern und zu eine Kaverne (Höhle) ausbilden, deren Inneres mit flüssigem oder käsigem Material gefüllt ist. In dieser abgekapselten Höhle vermehren sich die Bakterien unbehelligt vom körpereigenen Immunsystem. Auch Medikamente können hier nur schwer angreifen.

Pleuraerguss

Übergreifen der Entzündung vom Lungenherd auf das Brustfell (Pleura) mit Flüssigkeitsansammlung und Symptomen wie Atemnot, Hustenreiz und atemabhängigen Brustschmerzen.

Obstruktionsatelektase

Käsiges Material aus den Lungen- oder Lymphknotenherden können bei Durchbruch den angrenzenden Bronchus verstopfen, so dass die entsprechenden Lungenabschnitte nicht mehr belüftet werden.

Offene Tuberkulose

Mit Einbruch des bakterienhaltigen Herdes in die Bronchien scheidet der Patient über die Atmung Bakterien aus und ist für andere ansteckend.

Bronchogene Aussaat:

Die Bakterien können über das Bronchialsystem in andere Lungenabschnitte geschleppt werden, so dass große Teile der Lunge oder die gesamte Lunge befallen wird.

Kompressionsatelektase

Ein tuberkulöser Herd in den Lymphknoten kann sich durch die entzündlichen Vorgänge so vergrößern, dass er einen Bronchus von außen komprimiert und den entsprechenden Lungenabschnitt von der Atmung abkoppelt.

Lymphogene Aussaat

Gelingt es nicht, die Tuberkelbakterien in den zuerst befallenen Lymphknoten in Schach zu halten, werden sie über die Lymphbahnen zu allen Lymphknoten des Körpers transportiert und verursachen eine generalisierte Lymphknotentuberkulose.

Hämatogene Aussaat

Besonders gefürchtet ist die Streuung der Bakterien über die Blutbahn in den gesamten Körper. Folgen können sein:

  • Sepsis: Von der sogenannten „Blutvergiftung“ betroffen sind vor allem Kinder und alte beziehungsweise abwehrgeschwächte Menschen. Die Tuberkelbakterien werden massenweise in den Körper gespült und schädigen alle Organe. Die körpereigene Abwehr kapituliert, so dass die Sepsis nach kurzer Zeit zum Tod führt.
  • Miliartuberkulose: Multiple hirsekorngroße (lat.: Milium = Hirsekorn) Tuberkuloseherde entweder in der gesamten Lunge, in den Hirnhäuten mit der Folge einer tuberkulösen Hirnhautentzündung (Meningitis tuberculosa) oder aber in verschiedenen anderen Organen wie Leber, Milz oder Nieren.
  • Organtuberkulose: Tuberkelbakterien gelangen über die Blutbahn in einzelne Organe beziehungsweise Organsysteme, in denen die Tuberkulose entsprechend verschiedene Symptome hervorruft.

All diese zum Teil akut lebensbedrohlichen Komplikationen kommen bei der primären Lungentuberkulose eher selten vor. Sie beschreiben aber häufige Krankheitsverläufe der postprimären Lungentuberkulose, wenn diese nicht oder nicht ausreichend mit Antibiotika behandelt wird.