Nebenwirkungen

Wie alle Medikamente können auch antituberkulöse Medikamente Nebenwirkungen beziehungsweise unerwünschte Arzneimittelwirkungen hervorrufen. Diese können auftreten, müssen jedoch nicht auftreten. Da die Arzneimittel zur Therapie der Tuberkulose auf Basis relevanter Studien und Risikobewertungen zugelassen wurden, kann immer davon ausgegangen werden, dass das Risiko der Nebenwirkungen geringer ist als der Nutzen für den Patienten. Dieses positive Nutzen-Risiko-Verhältnis ist Voraussetzung für die Genehmigung der Medikamente.

Dennoch sollte jeder Patient immer darauf achten, ob während der Einnahme von Medikamenten nicht anders erklärbare Nebenwirkungen auftreten. Dies gilt auch für antituberkulöse Wirkstoffe. Im Folgenden werden für die wichtigsten antituberkulösen Wirkstoffe diejenigen Nebenwirkungen angegeben, auf die wegen ihrer Häufigkeit oder Schwere besonders geachtet werden sollte.

Isoniazid (kurz: INH oder nur H):

Funktionsstörungen der Leber (Leberentzündung) mit Anstieg von Leberenzymwerten, allergische Reaktionen an der Haut mit unterschiedlicher Schwere und Ausprägung, toxische Wirkung auf das zentrale und periphere Nervensystem

Rifampicin (kurz: RMP oder nur R):

Funktionsstörungen der Leber (Leberentzündung) mit Anstieg von Leberenzymwerten, allergische Reaktionen an der Haut mit unterschiedlicher Schwere und Ausprägung, zum Beispiel Red-Man-Syndrom, Grippe (Influenza) ähnliches Syndrom (Flu-Syndrom) mit Fieber, Gelenk- und Muskelschmerzen, Verfärbung von Körperflüssigkeiten wie Urin, Speichel, Tränenflüssigkeit, Übelkeit

Pyrazinamid (kurz: PZA oder nur Z): 

Funktionsstörungen der Leber (Leberentzündung) mit Anstieg von Leberenzymwerten, Erhöhung von Harnsäurewerten (Hyperurikämie) mit der Folge gichtartiger Symptome, Muskelschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, erhöhte Lichtempfindlichkeit von Haut und Augen (Phototoxizität)

Ethambutol (kurz: EMB oder nur E):

Entzündung des Sehnervs hinter dem Augapfel (Retrobulbärneuritis), Störungen der Nierenfunktion mit erhöhten Harnsäurewerten im Blut, Gelenkschmerzen, periphere Nervenschädigungen (Sensibilitätsstörungen), allergische Reaktionen an der Haut mit unterschiedlicher Schwere und Ausprägung

Darüber hinaus sind bei der Einnahme von Medikamenten mit diesen genannten Erstrangwirkstoffen weitere Nebenwirkungen möglich, die der Packungsbeilage des jeweiligen Medikamentes entnommen werden können. Die Packungsbeilage sollte immer sorgfältig gelesen werden. Vom Arzt kann eine Aufklärung über die möglichen Nebenwirkungen verlangt werden. Man sollte den behandelnden Arzt in jedem Fall darüber informieren, wenn bereits bekannt ist, dass man unter Störungen beziehungsweise Schädigungen bestimmter Organe wie Leber, Niere oder Nerven leidet, oder wenn während der Therapie Nebenwirkungen auftreten, damit er dies rechtzeitig bei der Auswahl der optimalen Therapie berücksichtigen kann.

Der behandelnde Arzt sollte die Therapie auf Nebenwirkungen hin kontrollieren, zum Beispiel durch regelmäßige Untersuchungen der Leber- und Nierenfunktion und der Funktion des Sehsinnes. Gegebenenfalls wird er das Therapieschema umstellen, wenn die durch ein bestimmtes Medikament hervorgerufenen Nebenwirkungen zu stark werden.