Geschichte der Tuberkulose-Therapie

Tuberkulose-Behandlung ohne Medikamente (Antibiotika)

Bevor es Antibiotika gab, war die Tuberkulose praktisch nicht ursächlich behandelbar. Es blieb nichts anders, als die Infektion durch gute Ernährung, körperliche Schonung, einem hygienischen Umfeld und viel frischer Luft – damals schrieb man vor allem der Höhenluft Heilkräfte zu – in Schach zu halten. Das Immunsystem und die Selbstheilungskräfte sollten damit soweit gestärkt werden, dass der Körper die Krankheit selber überwindet oder der Fortschritt der Erkrankung zumindest verlangsamt wird.

In diesem Zusammenhang wurde auch Lichttherapie beziehungsweise die Sonnenkur durchgeführt, um die Abwehrkräfte über eine gesteigerte Produktion von Vitamin D in der Haut weiter zu stärken. Zusätzlich wurde Vitamin-D-reiches Fischöl (vorzugsweise gewonnen aus Kabeljau) quasi als erstes chemisches Therapeutikum eingesetzt.

Heilstättenbewegung

Zu diesem Zweck und um eine Ausbreitung der Tuberkulose in der Bevölkerung einzudämmen, entstanden Lungenheilstätten, für sozial Schwache auch Volksheilstätten. Das erste Lungensanatorium wurde 1855 in Görbersdorf in Niederschlesien (heute Polen) eröffnet. Mitte der 1950er Jahre gab es allein in Deutschland 50.000 Betten in solchen Heilstätten.

Auch wenn sie in bester Absicht gegründet wurden, glich der Aufenthalt dort häufig einer gefängnisähnlichen Internierung, zum Teil wurde die gesamte Lebensführung der Patienten überwacht. Zudem musste, wer in eine solche Heilstätte eingewiesen wurde, mit monate- bis jahrelangem Aufenthalt dort rechnen, oder auch damit, die Heilstätte nie wieder lebend verlassen zu können. Anfänglich waren die Heilstätten Behandlungsort vor allem für leichtere Erkrankungsfälle. Später wurden sie medizinisch so ausgestattet, dass sie schwerstkranken Tuberkulose-Patienten alle therapeutischen Möglichkeiten, einschließlich chirurgischer, bieten konnten, die nach damaligem Stand möglich waren.

Lungen-Tuberkulose: Chirurgische Therapie

Da es keine wirksamen Medikamente gab, wurde auch mit chirurgischen Maßnahmen versucht, der Erkrankung Herr zu werden. Üblich war es beispielsweise, den betroffenen Lungenflügel mittels Luft, die über eine Hohlnadel eingeführt wurde, kollabieren zu lassen und so einen Pneumothorax (altgriechisch: Pneuma = Luft, Thorax = Brustkorb) zu erzeugen.

So konnte der Lungenflügel nicht mehr an der Atmung teilnehmen und war funktionell ruhiggestellt. Die Entfernung von Rippen bei der Thorakoplastik führte zu einem Einfallen der Brustwand mit Lungenkollaps und funktionaler Ruhigstellung der tuberkulösen Lungenabschnitte. Die ebenfalls praktizierte Phrenicotomie beschreibt die Durchtrennung eines Nervus phrenicus zur Ruhigstellung einer an Tuberkulose erkrankten Lungenhälfte.

Diese Formen der chirurgischen Behandlung verbesserten die Prognose für die Patienten nicht wesentlich und waren nur in wenigen Fällen erfolgreich. Wahrscheinlich führte der reduzierte Sauerstoffanteil (Hypoxie) in den stillgelegten und befallenen Lungenabschnitten lediglich zu einer langsameren Vermehrung der Tuberkulosebakterien und somit zu einem mehr oder weniger stark verzögerten Krankheitsfortschritt. Zumindest ist aus einigen Untersuchungen bekannt, dass Mycobakterium tuberculosis bei reduziertem Sauerstoffgehalt dazu neigt, seine Teilungsfähigkeit einzustellen und in einen Ruhezustand überzutreten.

Resektionsverfahren: Betroffene Lungenabschnitte chirurgisch entfernen

Mit Verbesserung der Möglichkeiten zur Lokalisation der erkrankten Lungenabschnitte kamen zusätzlich differenzierte Resektionsverfahren zur Anwendung, bei denen die betroffenen Lungenabschnitte chirurgisch entfernt wurden. Die Entfernung von jenen Lungenabschnitten wird heute noch, aber nur in extrem seltenen Ausnahmefällen eingesetzt, zum Beispiel wenn ein Patient eine resistente Tuberkulose hat, die medikamentös nicht mehr behandelbar ist und wenn nur ein lokal begrenzter Lungenabschnitt betroffen ist. In allen anderen Fällen ist die antibiotische Behandlung der Tuberkulose die Therapie der Wahl.