Standardtherapie

Therapie mit Antibiotika gegen Tuberkulose

Wenn keine spezifischen Resistenzen vorliegen, erfolgt die Therapie der Tuberkulose mit den folgenden 4 Erstrangmedikamenten:

Erstrangmedikamente in der Tuberkulose-Therapie

  • Isoniazid (kurz: INH oder international nur H): wirkt sehr stark bakterizid (bakterientötend) auf teilungsaktive Mykobakterien und solche, die innerhalb und ausserhalb von Körperzellen leben
  • Rifampicin (kurz: RMP oder international nur R): wirkt sehr stark bakterizid (bakterientötend) auf teilungsaktive Mykobakterien und solche, die innerhalb und außerhalb von Körperzellen leben
  • Pyrazinamid (kurz: PZA oder international nur Z): wirkt bakterizid in leicht saurem Milieu abgestorbener Gewebe und auf Tuberkulose-Bakterien im Inneren von Zellen
  • Ethambutol (kurz: EMB oder international nur E): wirkt nur bakteriostatisch, reichert sich jedoch innerhalb von Körperzellen an und kann deshalb besonders gut ruhende Mykobakterien bekämpfen, die in körpereigene Abwehrzellen eingewandert sind und sich dort „verstecken“.

Zwei-Phasen-Therapie der Tuberkulose

Die Kombinationstherapie wird über etwa 6 Monate nach folgendem Therapie-Schema verabreicht:

  • Initialphase: 4 Medikamente (INH+RMP+PZA+EMB) über etwa 2 Monate beziehungsweise nach klinischem Verlauf (Sputumkonversion) (Wenn nach 2 Monaten im Sputum immer noch Tuberkulose-Bakterien nachweisbar sind, muss die Initialphase entsprechend verlängert werden) 
  • Anschlussphase: 2 Medikamente (INH+RMP) über weitere etwa 4 Monate

Andere Therapie-Situationen

Die oben geschilderte Zwei-Phasen-Therapie über 6 Monate ist die einfachste und kürzeste Form der Therapie der Lungentuberkulose und kann nur angewendet werden, wenn der Erregerstamm nicht resistent ist gegen eines oder mehrere der oben genannten Erstrang-Medikamente. Es gibt jedoch Therapiesituationen, in denen das oben angewendete Therapieregime in Bezug auf die verwendeteten Wirkstoffe und die Zeitdauer abgeändert werden muss. Diese sind:

  1. Ausmaß der Erkrankung

Wenn die Erkrankung bereits sehr stark ausgeprägt und bereits zu strukturellen Veränderungen des Lungengewebes geführt hat, dann kann es sein, dass die Therapie länger als 6 Monate durchgeführt wird. Der behandelnde Arzt entscheidet dies immer anhand des Verlaufes der Heilung.

  1. Erregerresistenz

Es wird immer versucht, den verursachenden Erregerstamm aus einer Gewebeprobe zu isolieren und im Labor heranzuzüchten, damit ein Resistenztest durchgeführt werden kann. Wenn der Erregerstamm gegen 1 oder mehrere der oben genannten Erstrangmedikamente resistent ist, dann müssen andere jedoch weniger gut wirksame Zweitrang-Medikamente eingesetzt werden. Hierdurch kann sich die Therapiedauer deutlich verlängern, unter Umständen auf 2 Jahre und mehr.

  1. Tuberkulosen anderer Organe

Wenn die Tuberkulose andere Organe betrifft als die Lunge, dann kann eine längere Therapiedauer erforderlich sein, auch wenn das verursachende Bakterium nicht resistent gegen Erstrang-Medikamente ist. Ein Beispiel hierfür ist die tuberkulöse Meningitis (Meningitis tuberculosa).

Anhand des Resistenzmusters, der Krankheitsschwere, dem klinischen Verlauf und dem Manifestationsort entscheidet der Arzt, mit welchen Medikamenten die Therapie durchgeführt wird und wie lange diese dauert. Hierbei hat er die Möglichkeit, sich an den internationalen Richtlinien zur Therapie der Tuberkulose zu orientieren und weitere Experten auf dem Gebiet der Tuberkulosetherapie beratschlagend einzubeziehen.

Einnahme der Medikamente

Bis auf wenige Ausnahmen wird die vollständige Tagesdosis der Medikamente auf einmal eingenommen, damit einmal pro Tag möglichst hohe Wirkstoffspiegel im Blut und im entzündeten Gewebe erzielt werden. Dies ist zur Bekämpfung der Tuberkulosebakterien wichtig. Die verordnete Tagesdosis darf nie eigenmächtig in mehrere Einzelgaben aufgeteilt werden, ohne dies vorher mit einem Arzt besprochen zu haben. Eine Ausnahme ist hier zum Beispiel der Zweitrang-Wirkstoff Terizidon, dessen Tagesdosis auf mehrere Einzelgaben pro Tag verteilt ist.

Alle Medikamente sollten jeden Tag eingenommen werden. Nur in wenigen und begründbaren Ausnahmefällen kann es vorkommen, dass der Arzt eine so genannte intermittierende Einnahme verordnet, bei der eines oder mehrere der Medikamente nur an 2 oder 3 Tagen pro Woche eingenommen werden. Dies kann zum Beispiel sein, wenn ein Patient eine eingeschränkte Nierenfunktion oder andere Organschädigungen hat.

Da die genaue Befolgung des ärztlich verordneten Therapieplanes überaus wichtig für den Erfolg ist, wird in einigen Fällen die Therapie überwacht. Dies geschieht insbesondere dann, wenn der Patient den Anschein erweckt, die Medikamente nicht regelmäßig einzunehmen beziehungsweise wenn dies nachgewiesen wurde.