Verbreitung der Tuberkulose

Warnung der WHO vor TBC

Die Tuberkulose ist eine im allgemeinen Bewusstsein unterschätzte Infektionskrankheit. Hierzulande glauben viele, sie sei längst ausgerottet. Tuberkulose wird allzu oft noch als eine Erkrankung Immunschwacher und Armer wahrgenommen, die in der westlichen Wohlstandsgesellschaft keinen Platz mehr hat. Bei jungen als auch bei alten Menschen existiert oft noch das Vorurteil: Wer Tuberkulose hat, ist zugleich arm.

Globale Seuche

Selbst die Weltgesundheitsorganisation (WHO) war noch in den 1970er Jahren überzeugt, dass Tuberkulose keine ernste Gefahr mehr für die Menschen sei. Inzwischen spricht sie allerdings von einem „global health emergency“, einem weltumspannenden Gesundheitsnotfall, denn seit einigen Jahren gehört Tuberkulose wieder zu den häufigsten Infektionskrankheiten auf der Welt und ist die Haupttodesursache unter den bakteriellen Infektionskrankheiten.

TBC und AIDS

Tatsächlich ist die Tuberkulose besonders in strukturschwachen Ländern sehr stark verbreitet. Insbesondere die Zunahme von AIDS hat der Verbreitung der Tuberkulose einen enormen Vorschub geleistet, da die Schwächung des Immunsystems durch AIDS die Entstehung und somit die Verbreitung von Tuberkulose massiv fördert.

Die weltweit zunehmende Mobilität und Verstädterung sowie die steigende Lebenserwartung lassen Tuberkulose auch in der westlichen Welt zu einem wachsenden Problem werden. Zu einer weltumspannenden Gefahr, die sich nicht auf die Entwicklungsländer beschränkt, hat sich die Zunahme der resistenten Tuberkulose als Folge unzureichender Therapie entwickelt.

TBC: Jeder 3. Mensch trägt den Erreger in sich

Nach Schätzungen ist etwa ein Drittel der Weltbevölkerung mit Mycobacterium tuberculosis infiziert. Nicht jeder Bakterienträger erkrankt jedoch sofort an Tuberkulose. In den meisten Fällen „schlummert“ der Erreger solange im Körper, bis der Träger eine geschwächte Abwehrlage hat (latente Infektion). Erst dann bricht die Erkrankung aus.

Die hohe Anzahl latent infizierter Menschen birgt ein entsprechendes Risiko für Neuerkrankungen. Jährlich werden fast 10 Millionen Tuberkulose-Neuerkrankungen registriert. Obwohl Tuberkulose eine Erkrankung ist, die mittlerweile mit antituberkulösen Medikamenten erfolgreich behandelt werden kann, sterben jedes Jahr weltweit immer noch knapp 2 Millionen Menschen daran.

Tuberkulose: Die Risiken weltweit auf dem Vormarsch

Armut, schlechte und beengte Lebensverhältnisse, Unterernährung beziehungsweise Mangelernährung, unzureichende hygienische Verhältnisse und medizinische Unterversorgung sind ein idealer Nährboden für die Tuberkulose.

Abwehrgeschwächte wie zum Beispiel alte oder kranke Menschen sind besonders häufig betroffen. Bei Kindern, deren Immunsystem sich noch entwickelt, kann die Erkrankung einen dramatischen Verlauf nehmen, wenn sie sich sehr schnell im gesamten Körper ausbreitet. Die meisten Neuerkrankungen finden sich in Zentral- und Südostasien, Süd- und Mittelafrika sowie Russland und in den Kaukasusstaaten.

Besonders prekär ist die Situation wegen der hohen Anzahl HIV-Infizierter in Afrika. In Europa und anderen entwickelten Industriestaaten sinkt die Zahl der Tuberkulose-Neuerkrankungen seit Jahren kontinuierlich, wobei in diesen Ländern die Verbreitung der resistenten Tuberkulose infolge Zuwanderung aus Hochrisikogebieten nach wie vor ein großes Problem ist.

TBC-Neuerkrankungen: Situation in Deutschland

In Deutschland werden jährlich noch etwa 5000 Neuerkrankungen gemeldet. Besonders betroffen sind ältere Menschen, bei denen sich besonders häufig eine aktive Erkrankung aus einer bereits latent vorhandenen Infektion entwickelt (Postprimäre Tuberkulose oder Reaktivierungstuberkulose).